Aus dem Kochbuch: Original syrische Kibbeh

475 g Bulgur
3 Schalotten
1 EL Rapsöl
400 g Hackfleisch vom Lamm
3 EL Rosinen
1/2 TL Kreuzkümmel (Cumin)
1/2 TL Zimt
2 Prise Salz
1 Prise Pfeffer
1/2 TL Paprikapulver, edelsüß

Für original-syrische Kibbeh freundest du dich vor der Zubereitung mit einem Syrer aus deinem Fußballverein an. Den lädst du telefonisch zu einem gemeinsamen Kochen ein. Du bittest ihn, die Zutaten mitzubringen, denn er wüsste ja am Besten, was in original-syrische Kibbeh hineingehöre. Damit er sich bei dir wohlfühlt, suchst du bei Spotify nach syrischer Musik. Du findest sehr traditionelle Folklore und regelst die Lautstärke herunter, um die Nachbarn nicht zu stören. Du suchst weiter und landest schließlich bei Yusuf Islam alias Cat Stevens. Am Ende von „Wild World“ klingelt es. Da du die Anlage jedoch voll aufgedreht hast, damit die Nachbarn nicht hören, dass du lauthals mitsingst, nimmst du die Klingel erst am Ende von „Morning has Broken“ wahr. Du öffnest die Tür und begrüßt deinen syrischen Freund Ali, der mit einer großen Einkaufstüte in der Hand und einem leicht genervten Blick die Wohnung betritt. Am Küchentisch leert ihr gemeinsam die Einkaufstüte.
Du sagst anerkennend: „Das sieht alles total lecker aus, Ali!“
Ali antwortet: „Dann bekommst du endlich mal was Vernünftiges zu essen!“
Den Kommentar findest du etwas unhöflich, da Ali genau weiß, dass du ein passionierter Hobbykoch bist, der gerade an einem eigenen Kochbuch arbeitet. Trotzdem gönnst du ihm seine Freude. Vermutlich wärst du nicht weniger stolz, wenn du syrischen Freunden in Damaskus zeigen würdest, wie man Kartoffelbrei mit Sauerkraut und Nürnbergern zubereitet.
Bevor du mit der Zubereitung beginnst, wäscht du dir an der Spüle die Hände. Du lässt den Wasserhahn laufen und überreichst Ali wortlos das Handtuch zum Hände abtrocknen.
„Das Lamm habe ich gerade vom Metzger, hat der frisch für mich klein gemacht“, sagt Ali .
Du stutzt für einen Moment.
Du sagst: „Kibbeh wird mit Lamm gekocht? Ich dachte da kommt Rind rein?“
„Nein, Lamm, das gibt dem Ganzen erst die richtige Note!“ klärt dich Ali auf.
Du sagst: „Ja, eine ziemlich strenge, aber wenn du meinst, dann machen wir das so!“
Zögerlich nimmst du das Hackfleisch aus der Verpackung. Du riechst daran und fragst Ali: „Sag mal, sei mir nicht böse, aber ich habe noch Rinderhack eingefroren, können wir nicht das nehmen?“
Ali schaut dich irritiert an. Er betont, dass traditionell-syrische Kibbeh auf jeden Fall mit Lamm zubereitet werden, aber, wenn du das partout nicht mögen würdest, könne man notfalls auch Rind nehmen.
„Prima“, sagst du und holst eine Packung Rinderhack aus dem Gefrierschrank, das du in er Mikrowelle auftaust. Dabei erklärst du Ali, dass die Mikrowelle zum Auftauen von Fleisch eigentlich völlig ungeeignet sei und in einem seriösen Kochbuch nichts verloren habe, aber da er ja Lamm statt Rind gekauft hätte, müsse es jetzt schnell gehen.
Ali nutzt die Wartezeit, um die Toilette aufzusuchen. Du nutzt Alis Abwesenheit, um die Schalotten, anzuschwitzen, die du, bevor du sie ins heiße Öl gibst, gegen Zwiebeln austauschst, da diese deiner Meinung nach besser mit dem Rinderhack harmonieren. Du öffnest das Fenster, damit der Zwiebelgeruch entweichen kann.
Ali kommt von der Toilette wieder und beschwert sich, dass du die Schalotten zu grob geschnitten hast. Die müssten viel feiner sein, damit die Bällchen später besser zusammenhalten. Du erwiderst, dass es schon schmecken werde und fragst ihn, wie es denn jetzt weitergehe. Ali weist dich an, das Hackfleisch anzubraten und, wenn es gut durchgebraten ist, die Rosinen hinzuzugeben.
Du sagt: „Oh!“
Ali sagt: „Was?“
Du sagst, dass Rosinen für dich nicht in eine Hauptmahlzeit hinein gehören und dass du den süßen Geschmack nicht mögen würdest.
Ali sagt, dass du es doch wenigstens mal ausprobieren könntest, vielleicht schmeckt es dir ja doch.
Du sagst, vielleicht ja, aber wahrscheinlich nicht, doch das wäre kein Problem, schließlich hättest du noch Brot im Haus, das du notfalls essen könntest.
Ali sagt: „Gut, dann können wir sie auch weglassen!“
Nachdem die Rosinen vom Tisch sind, bittet dich Ali um einen mittelgroßen Topf, damit der Bulgur schon einmal quellen könne.
Du sagst: „Oh!“
Ali sagt: „Was ist jetzt schon wieder?“
Du sagst, dass dir gar nicht klar war, dass Kibbeh mit Bulgur gemacht wird. Das Problem wäre, dass du unter einer Glutenunverträglichkeit leiden würdest und gar kein Bulgur essen dürftest.
Ali verschränkt die Arme über seinem Kopf.
„Aber dann können wir es bleiben lassen“, sagt er, „ohne Bulgur kann man kein Kibbeh machen. Rosinen können wir meinetwegen weglassen. Rind geht notfalls auch. Aber ohne Bulgur, das können wir vergessen!“
„Ach, komm schon“, sagst du, „dann müssen wir das Rezept einfach leicht abwandeln.“
„Und wie soll das gehen?“ fragt Ali.
Du nimmt eine Schüssel zur Hand und vermengst darin das Hackfleisch mit den Zwiebel und einem Ei sowie Semmelbrösel für die Bindung. Dir fällt ein, dass du noch Petersilie im Kühlschrank hast und gibst diese ebenfalls kleingehackt hinzu. Die Masse würzt du mit Salz und Pfeffer und formst daraus kleine Bällchen, die du in der Pfanne von beiden Seiten scharf anbrätst. Dann stellst du den Herd auf mittlere Stufe und lässt die Bällchen ca. 5-10 Minuten garen.
Als Beilage wählst du Kartoffelsalat, von dem sich glücklicherweise immer eine Fertigpackung im Kühlschrank befindet.
Nachdem alles fertig ist, setzt ihr euch an den Tisch. Im Hintergrund läuft immer noch Cat Stevens. Du schenkst Ali ungefragt ein Bier ein.
Ali sagt, dass er, genauso wie vorgestern, immer noch keinen Alkohol trinken würde.
Du entschuldigst dich und willst ihm ein alkoholfreies Bier einschenken, aber Ali hält seine Hand über das Glas und meint, dass er generell den Geschmack von Bier nicht mögen würde.
Du sagst: „Okay, schade um die Flasche.“
Ali sagt: „Du hättest sie ja nicht öffnen müssen.“
Da die Stimmung leicht kippt, lenkst du das Gespräch zurück auf das Essen.
„Und“, fragst du Ali, „schmeckt doch fast wie zu Hause, oder nicht?“
Ali antwortet zögerlich, dass es nicht schlecht schmecke, aber der Charakter von dem Originalgericht nicht mehr so gut durchkommen würde, weil zu original-syrischen Kibbeh ja eigentlich auch ein Joghurt-Minz-Dipp mit frischem Knoblauch und Zitronenabrieb gehöre.
„Ach, die Soße!“, sagst du und holst aus dem Kühlschrank eine Tube Ketchup.