Praktikum im Bundestag

Soeben komm ich von einem Praktikum im deutschen Bundestag zurück. Direkt am ersten Tag, und das war auch schon wieder mein letzter, also heute morgen, nimmt mich der Schäuble zur Seite.
Die Frau Merkel müsse wegen eines dringlichen Termins gleich noch mal los und könne daher an der Fraktionssitzung nicht teilnehmen, sagt er.
Dass er den Dativ vermeidet, find ich gut, denke ich.
Ob ich schnell den Gang runterlaufen und das weitergeben könne, fragt er.
„Kein Problem“, sage ich.
Ganz am Ende, zweite Tür links, ruft er mir noch hinterher.
Ich laufe also den Gang hinunter und klopfe an der zweiten Tür links.
„Herrrein!“ ruft jemand mit rollendem R.
Ich öffne vorsichtig die Tür und sage: „Tschuldigung, dass ich störe, aber ich wollte nur sagen, Merkel muss weg!“
Spontan bricht Applaus aus. „Sehrrr rrrichtig!“ tönt es gleich aus mehreren Richtungen.
Ich schau noch mal genauer hin und sehe den Gauland und die Weidel am Tisch sitzen. Scheiße, denke ich, falsche Tür! Ich will sie gerade schließen, da steht auf einmal der Kauder hinter mir.
„Was ist denn hier los?“ fragt er.
„Falsche Tür“, sage ich, „aber ich wollte mitteilen, Merkel muss weg!“
„Was?“
Hinter dem Kauder steht plötzlich der Brinkhaus.
„Entschuldigung, Herr Kauder, aber das würde ich dann gerne klären. Worum gehts?“
„Merkel muss weg!“ sage ich.
Applaus aus dem Sitzungsraum.
„Was bilden Sie sich ein?“ fragt mich der Brinkhaus mit rotem Kopf.
„Was bilden Sie sich ein?“ fragt der Kauder den Brinkhaus mit rotem Kopf.
„Sie können hier doch nicht einfach rumlaufen und so einen Mist erzählen!“ wütet Brinkhaus weiter.
„Kann er doch!“ schallt es aus dem Sitzungsraum.
„Sie können sich doch hier nicht einfach ins Gespräch einmischen!“ ermahnt Kauder den Brinkhaus.
„Kann ich sehr wohl, denn ich bin hier der Fraktionsvorsitzende!“
„Uiiih, Alphatier!“ schallt es wieder aus dem Sitzungsraum.
„Mund halten und gerade sitzen!“, höre ich gleich darauf die Weidel fauchen.
Inmitten des Tumults erhebt sich auf einmal an der Wand hinterm Brinkhaus ein großer, alles überragender Schatten. Auf dem Gang Getrippel, es ist Frau Merkel, die schnelles Schrittes auf uns zueilt.
„Der Termin ist ausgefallen, ich bin zurück!“, sagt sie in Richtung Kauder.
Aus dem Sitzungsraum lautes Stöhnen.
Der Brinkhaus schließt beiläufig die Tür. „Frau Merkel, es wäre schön, wenn ich zukünftig etwas mehr in ihre Planungen involviert wäre!“
„Ach Herr Brinkhaus, Sie wissen doch, Sie haben mein absolutes Vertrauen!“
Die drei verschwinden im Raum gegenüber. Ich will gerade gehen, da steckt noch einmal der Kauder seinen Kopf durch die Tür.
„Hören Sie!“, sagt er.
Über dem Kopf vom Kauder erscheint der Kopf vom Brinkhaus.
„Sie können gehen“, sagt er, „das Praktikum ist hiermit beendet!“
Ihre Köpfe verschwinden, aber dafür steckt auf der anderen Seite der Gauland seinen Kopf durch die Tür.
„Wenn Sie einen Praktikumsplatz suchen, wir können tüchtige deutsche Männer immer gebrauchen!“
Ach siehste, denke ich mir, kaum, dass sich eine Tür schließt, öffnet sich auch schon die nächste. Dann laufe ich schreiend weg.

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